Ortschronik von Kunreuth

Quelle: "Im Banne des Hetzlas" von J.M. Kaupert

Nördlich des Hetzlas liegt in landschaftlich schöner Lage der Ort Kunreuth. Der Name ,,zur Reut des Kuni, Kune" weist darauf hin, daß Wald dort gerodet wurde, wo heute fruchtbare Felder und Wiesen liegen. Urkundlich wird Chunesrut zum erstenmal 1109 im Gründungsbuch des Collegiat-Stiftes St. Jacob zu Bamberg genannt bei der Aufzählung der 70 Güter, die dem Stift St. Jakob am 25. Juli zur Kirchweihe vom Bischof Otto geschenkt wurden.

In den späteren Jahren übte wieder der Bischof von Bamberg die Dorfherrschaft aus. Ihm unterstanden 4 Huben (Bauernhöfe) und 3 Lehen, eine weitere Hube gehörte zur Stiftung der Kapelle von Reuth. Zinspflichtig waren damals: Heinrich Böhm, Heinz Vetter, Pezold Knoll und Hermann Fleck. Hermann Treg (Träg, Träger) hatte 2 Huben inne, während Konrad von Nürnberg (ein Nürnberger Kaufmann) den Zehnt für ein Lehen zahlen mußte. Das Anrecht auf den Zins der zwei letzten Güter wurde ,,auf Ruf und Widerruf‘ vom Bischof dem Heinrich von Wiesenthau (genannt Neidensteiner) übertragen.

In der 2. Hälfte des 4. Jahrhundert wurde das Dorf ritterschaftlich und zwar erhielten es die Herren von Egloffstein, da sie dem Bischof viele Dienste leisteten. Das Geschlecht der Egloffsteiner war damals eines der mächtigsten und einflußreichsten der Ministerialen seit 1180. Schon im 14. Jahrhundert besaßen sie eigene Burgen nicht nur in Egloffstein sondern auch in Stolzenrode, Leyenfels und Gailenreuth.

1335 wurde sogar Leupold von Egloffstein Fürstbischof von Bamberg. Sie stifteten auch mit ihren Eigengütern die Kaplanei im Orte Egloffstein. Auch hatten damals die Landesherren das zielbewußte Bestreben dem Ministerialenadel durch Verleihung von Gütern mit Hilfe der Burghutverträge die Lehenshoheit ihnen aufzudrängen um so ihre politische Macht zu stärken. Von diesen Grundsätzen ließ sich nicht nur der Burggraf von Nürnberg leiten, sondern auch der Fürstbischof von Bamberg. So wurde 1509 der Lehensauftrag der Burg Egloffstein von Fürstbischof Georg III., Schenk von Limburg, bestätigt.

Das Schloß zu Kunreuth ist eine Wasserburg, die aus Haupt- und Vorburg besteht. Entstanden dürfte sie im 14. Jahrhundert sein, da diese Art von Wasserburgen nach Dr. RuhI auf ein höheres Alter zurückblicken, als die sogenannten ,,Weiherhäuser". In der Vorburg war der Wirtschaftshof, der aber mit in die Befestigung mit eingeschlossen war. Ein Graben mit Mauern und Türmen (an der rechten Seite steht noch ein Rundturm) umgab die ganze An-lage der Wasserburg. Die eigentliche Hauptburg wurde nochmals durch einen Graben geschützt, so daß sie im Süden, Osten und Norden einen doppelten Graben aufwies. Nach Westen hin, wo das Gelände ansteigt, fehlte der äußere Graben. Die Mauer an dieser Seite zeigte deshalb der besseren Verteidigung wegen keine Fenster sondern nur Schießscharten. Die innere Burg, die heute noch steht, besteht aus einem Torhaus mit zwei Flügeln, die mit den Nebengebäuden und Mauern ein Viereck darstellen. Der Eingang zur Hauptburg wurde auf der einen Seite durch einen vorspringenden Rundturm geschützt, eine Art Batterieturm, der allerdings später entstanden sein dürfte und einen in nächster Nähe liegenden viereck-igen Erker des Hauptbaues.

Zur Zeit des Bauernkrieges wurde die Burg von den aufrührerischen Bauern eingenommen, geplündert und zerstört. Die damaligen Besitzer Baltasar, Pancraz und Nikolaus von Egloffstein erhielten nach dem Aufruhr eine Entschädigungssumme von 1033 Gulden und Wolf Siegmund von Egloffstein 768 Gulden, welche die Bauern aufbringen mussten.

Im Markgrafenkrieg wurden Ort und Schloß Kunreuth besonders schwer heimgesucht Während die markgräflichen Truppen das Wasserschloß belagerten, lag der damalige Pfarrei Andreas Vällner krank in der Hauptburg. Bei der Einnahme hausten die Feinde gar schrecklich und hängten die übriggebliebenen Verteidiger mit dem kranken Pfarrherrn (39 oder 40) an den nächsten Obstbäumen auf. Schweres Leid kam über die Bevölkerung wegen des wilden Treibens der Soldateska.

Während der Reformation fand auch der neue Glauben Einlaß in Kunreuth. Die Herren von Egloffstein setzten 1559 oder 1560 ähnlich wie in Egloffstein und Affalterthal einen protestantischen Prediger ein. Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen berief die Jesuiten um die Gegenreformation zu unterstützen und suchte die verlorengegangenen Orte wieder zum alten Glauben zurückzuführen. Er berief auch in Kunreuth 1610 Johann Pfalzgraf als neuen Pfarrherren. Dieser konnte sich aber nicht durchsetzen.

Fürstbischof Johann Georg II., Fuchs von Dornheim, setzte 1629 wieder einen katholischen Pfarrer ein, der mehr Fuß fassen konnte und sich einige Jahre behauptete. Mit dem Einfall der Schweden jedoch im Jahre 1633 ging die Pfarrei entgültig für das Bistum verloren. Im Schweden- und Preußenkrieg mußte der Ort viele Durchzüge, Einquartierungen und Plünderungen über sich ergehen lassen.

Im 18. Jahrhundert wurde ein zweistöckiges Schulhaus gebaut. Der Ort zählte im Jahre 1884 83 Häuser mit 422 Einwohnern. 1887 ließ die Gemeinde ein neues Schulhaus errichten. Im Jahre 1914 umfaßte das Dorf an die 80 Häuser mit 85 Familien und 420 Einwohner. Eine Zunahme an Häusern und Bewohnern war also nicht zu verzeichnen, eher eine Abnahme. Von 420 Dorfbewohnern waren 414 protestantisch, 5 katholisch und einer israelitisch. Die Schulgemeinde umfaßte 158 Familien mit 832 Seelen.

Die Pfarrei Kunreuth war einst eine Filiale der Stiftskirche zu St. Martin in Forchheim. Im Jahre 1426 wurde eine Kirche gebaut. 1458 erfolgte unter gewissen Verpflichtungen die Abtrennung von der Pfarrei Forchheim. Obwohl der allgemeine Charakter barock ist, so hat sie doch einen gotischen Kern aufzuweisen. Der Kirchturm steht über der Fassade. Über dem Portal ist das Egloffsteiner Wappen angebracht. Die Friedhofkapelle St. Stephan ist profaniert. Sie zeigt einen quadratischen Bau mit gotischem Portal um 1400, darunter das Egloffsteiner Wappen aus derselben Zeit.